Samstag, 19. Dezember 2009
The deal is sealed...
Während des ganzen gestrigen Tages und durch die Nacht wurde in einer kleinen elitären Gruppe ein "Kopenhagener Übereinkommen" ausgehandelt. Die zwischenzeitlich veröffentlichten Entwürfe sahen vielversprechend aus (vielversprechend, wenn man ein totales Scheitern der Konferenz als wahrscheinlichen Ausgang zugrunde legt). Sogar von konkreten Emissionszielen für Industrieländer war die Rede. Leider ist davon in der finalen Version nichts mehr übriggeblieben.
Dieses Nullresultat erklärt denn auch das weitere Vorgehen heute Vormittag. In stundenlangen hitzigen Debatten wurde versucht, die Übereinkunft im Plenum durchzubringen. Die Entwicklungsländer, denen die vorliegende Absichtserklärung nicht weit genug geht, haben schlussendlich ihre Unterschrift verweigert. Worauf der Konferenzleitung nur noch ein Verfahrenstrick blieb, um die Übereinkunft und damit gewissermassen den Klimagipfel zu retten. Das Endergebnis des Klimagipfels lautet nun in etwa: Die internationale Gemeinschaft nimmt die "Kopenhagener Übereinkunft" ZUR KENNTNIS.
Was bedeutet das? Positiv ist, dass damit Spielraum bleibt für neue Verhandlungen, die hoffentlich in absehbarer Zukunft doch noch zu einem verbindlichen, fairen und ambitionierten Klimaabkommen führen können. Allerdings stehen die Chancen dafür schlecht. Sehr schlecht sogar. Die Gräben zwischen den einzelnen Staaten und Staatengruppen wurden an der Kopenhagener Konferenz eher grösser denn kleiner und der politische Wille für ein globales Abkommen ist vor allem bei den grössten Emittenten weiterhin nicht vorhanden.
Kopenhagen hat aber auch gezeigt, dass die Befürworter für einen ambitionierten Klimaschutz zahlreich und gut organisiert sind und an Gewicht in der Diskussion gewinnen. Dies zumindest sind positive Neuigkeiten.
Freitag, 18. Dezember 2009
NObama
Aus dem Kongresszentrum erreichen uns in rascher Folge neue und zunehmend widersprüchliche Mitteilungen. Etliche Entwürfe für ein Klimaabkommen scheinen zu zirkulieren - bis jetzt mit wenig konkreten und schon gar keinen neuen Zugeständnissen seitens der Industrieländer.
Vor einer Stunde haben die Staatschefs die Verhandlungen wieder aufgenommen. Auch Obama hat gesprochen und die amerikanische Position zementiert. Die Quintessenz: Amerika will mitmachen beim Klimaschutz, Amerika will internationale Kontrolle der Emissionsreduktionen, Amerika will mithelfen, die Anpassung der Entwicklungsländer an den Klimawandel zu finanzieren. Das klingt - wie immer bei Obama - sehr vielversprechend, aber schon in der Rede des Präsidenten finden sich unzählige 'aber'. Klimaschutz ja, aber ALLE wirtschaftlich wichtigen Nationen müssen Emissionen reduzieren und Amerika wird nicht mehr tun als schon versprochen; Kontrolle ja, aber die Souveränität der Staaten soll gewährleistet bleiben; Finanzierung ja, aber kein Wort dazu, wer wie viel bezahlt.
Ob die internationale Gemeinschaft unter diesen Bedingungen gewillt ist, ein Abkommen zu beschliessen, werden die nächsten Stunden zeigen. Die so dringend nötige Wende im internationalen Klimaschutz wird das Abkommen von Kopenhagen allerdings nicht bringen.
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Jetzt geht's um die Wurst
Nicht nur an den Verhandlungen, sondern auch vor dem Bella Centre, geht es um die Wurst. Zusammen mit Bundesrat Leuenberger ist heute morgen die Klimafahne in Kopenhagen angekommen. Die Ankunft von Moritz Leuenberger im Bahnhof Kopenhagen zieht nur sehr wenig Aufmerksamkeit der Dänischen Polizei auf sich. Ganz im Gegensatz zur Klimafahne. Flankiert von rund 10 Polizisten, die kaum glauben können, dass wir tatsächlich eine 40x40 m grosse Fahne an den Klimagipfel mitbringen, laden wir die Fahnenwurst aus dem Zug aus und tragen sie wie eine erlegte Boa auf den Schultern quer durch den Bahnhof Kopenhagen zum Transporter auf den Bahnhofvorplatz.
In Eiseskälte und bei kräftigem Wind breiten wir die Klimafahne vor dem Bella Center aus.
Auf der Fahne stehen weit über 10'000 Statements von Schweizerinnen und Schweizern zum Klimaschutz. "Save the climate now" und "Für die Menschheit - Klimaschutz" sind da zu lesen. Derweil kommen die Verhandlungen im Bella Centre noch immer nicht voran. Es wird weiter um Details gefeilscht, und am Ende wird wohl kaum ein faires, verbindliches und ambitioniertes Abkommen beschlossen. Darum fordert Nelson Muffuh, vom europäischen Zusammenschluss der protestantischen Entwicklungsorganisationen Aprodev, dass die Staatschefs 'Nachsitzen' müssen, bis sie ein Abkommen zustande bringen. Wenn sie doch nur endlich auf die Stimmen aus der Bevölkerung hören würden...
Mehr Klimabotschaften:
Bilder vom Klimafest am 17. Oktober auf dem Bundesplatz
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Der grosse Klimapoker
Die Industrieländer :
- wollen möglichst wenig Zugeständnisse machen
- wollen nicht mehr leisten als die direkten Nachbarn
- wollen, dass alle grossen Emittenten beim Klimaschutz mitmachen - ungeachtet der historischen Schuld
- wollen sich als Klimaretter aufspielen können
- fordern faire finanzielle und technologische Unterstützung für die Anpassung an den Klimawandel
- fordern, dass die Industrieländer bezüglich Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen
Auch die Industrieländer haben bereits erste Zugeständnisse gemacht. Die USA, zusammen mit anderen Industrieländern, haben 3.5 Milliarden zur Reduktion von Treibhausgasemissionen aus der Abholzung von Wäldern versprochen. So wird der Kuhhandel weitergehen und die Positionen werden sich (hoffentlich) Schritt für Schritt annähern. Ob bis Samstag früh eine gemeinsame Mitte gefunden wird, und ob dabei ein verbindliches und faires Abkommen zustandekommt, scheint im Moment eher unwahrscheinlich. Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Übrigens: Nicht nur die Verhandlungen, sondern auch alle Vertreter der Nichtregierungsorganisationen (NRO) sind blockiert. Da die UNFCCC überraschend beschlossen hat, diese nicht mehr ins Kongresszentrum zu lassen, sind seit heute Nachmittag viele ausgesperrt - und diejenigen, die drin sind, gewissermassen eingesperrt. Enttäuschend, wie die Organisation dieses so wichtigen Gipfels abläuft.
Der letzte Blog direkt aus den Verhandlungen
Bereits ist es Mittwoch und die Zweifel an einem zufriedenstellenden Abkommen werden immer grösser. Mittwoch bedeutet aber auch, dass die Nichtregierungsorganisationen ab morgen fast keinen Zugang zum Bella Centre mehr erhalten. Zum Glück haben wir im Netzwerk drei Leute mit einem Presseausweis. Diese werden uns in den beiden letzten Tagen der Konferenz auf dem Laufenden halten. Alle Anstrengungen die Zahl der zugelassenen Nichtregierungsorganisationen zu erhöhen, scheiterten.
In meinen letzten Stunden im Bella Centre habe ich die Chance gepackt und versucht, an möglichst viele Orte und Verhandlungen zu gelangen. So kam ich zum Beispiel zu einer Diskussion mit mehreren führenden Firmen in der Ethanol-und Biotreibstoff-Industrie. Diskutiert wurde nicht wirklich, es ging eher darum die Anwesenden zu überzeugen, dass Biotreibstoffe die Lösung für den Klimaerwärmung sind. Ist es das wirklich? Bereits seit langem ist die Problematik des Biotreibstoffs erkannt und Fastenopfer und Brot für alle haben stets darüber informiert. In Brasilien werden Wälder abgeholzt um Getreide und Raps für den Biotreibstoff anzupflanzen. Oft wird brandgerodet und nach 2-3 Jahren ist der Boden infolge der Monokultur unfruchtbar. Dies ist den gewinnorientierten Firmen mehrheitlich wurst und sie ziehen einfach weiter. In vielen Teilen Afrikas sind grosse Flächen eh schon bereits unfruchtbar. Sollte nun auch noch Getreide für Biotreibstoff angepflanzt werden, würde sich die Ernährungssituation der Bevölkerung noch mehr verschlechtern. Es käme zu weiteren Landenteignungen und zu bewaffneten Kämpfen um den fruchtbaren Boden. Nein, Biotreibstoff ist keine Lösung sondern eine von vielen Möglichkeit der Industriestaaten, Geld mit den Ressourcen der Entwicklungsländer zu machen.
Ein kleiner Hinweis: Morgen erreicht der Klimazug aus der Bern mit Bundesrat Moritz Leuenberger an Bord um 8:22 Uhr Kopenhagen. Mit im Zug reisen neben der grossen Schweizer Klimafahne auch Vertreterinnen und Vertreter der Klima-Allianz. Die Fahne mit über 10 000 Botschaften reiste im Sommer durch die Schweiz. Die vorläufig letzte Reise der Fahne geht dann vom Hauptbahnhof in Kopenhagen zum Bella Centre, wo eine Pressekonferenz abgehalten wird.
Kopenhagen, eine Bruchlandung?

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen befindet sich seit Dienstagabend im Landeanflug. Dies ist um und vor allem im Kongresszentrum deutlich zu sehen und zu spüren.
Zum Einen wird der Zugang für alle, die nicht den offiziellen Delegationen angehören, stark eingeschränkt. Wer nicht über die magische weisse Karte der UNFCCC verfügt, wird nicht mehr ins Kongresszentrum gelassen. Ich bin zwar im Besitz dieser Karte, aber noch nicht registriert, so dass ich nochmals 4 Stunden im Schneegestöber warten muss, bis ich ins Kongresszentrum gelassen werde.
Dort komme ich gerade rechtzeitig zur feierlichen Eröffnung des High-Level Segments. Verschiedene prominente Redner, darunter der UNO Generalsekretär Ban-Ki Moon und Prinz Charles, betonen noch einmal die Dringlichkeit und Wichtigkeit eines globalen Klimaabkommens. Dies läutet den nun folgenden Reigen von Erklärungen und Aufrufen der bereits anwesenden Staats- und Regierungschefs ein. Kurz zusammengefasst: Viel Gerede, immer noch keine Zugeständnisse.
Hinter den Kulissen wird indes eifrig am Verhandlungstext gearbeitet. Leider hört man wenig Gutes - noch sind keine konkreten Reduktionsziele oder Finanzbeträge auf dem Tisch und es scheint, als ob alle auf die letzten Stunden der Konferenz warten, um dann eine weisse Taube (die sich beim näheren Betrachten wohl wieder als faules Ei herausstellen wird) aus dem Hut zu zaubern.
Die Übertragung der Ansprachen der VIPs hat ein leicht frustrierter Kongressteilnehmer treffend mit: "they talk, talk, talk - but at least they also look worried" kommentiert. Hoffen wir, dass es nicht beim Gesichtsausdruck bleibt.
Finanzierung der Anpassungen an den Klimawandel für die Länder im Süden
Durch die Klimaerwärmung stehen viele Menschen vor neuen Bedingungen, die ihr tägliches Leben massgeblich verändern. Für uns ist dies schwer vorzustellen, denn die klimatischen Veränderungen in der Schweiz sind „noch“ nicht dramatisch. Seit einigen Jahren legen zwar diverse Skigebiete Teppiche auf ihre Gletscher, dass diese nicht zu schnell schmelzen. Bezahlt werden diese Massnahmen meist von den Skigebieten selber.
In den Ländern des Südens sind die Auswirkungen des Klimawandels viel lebensbedrohlicher: In manchen afrikanischen Ländern wie in Kenia gibt es mehr und längere Dürren und die wenigen Niederschläge spülen mit ihrer Heftigkeit oft ganze Ernten weg. In asiatischen Ländern wie in den Philippinen stehen die Leute vor einem anderen Problem. Viele Menschen des Inselstaates leben direkt am Wasser. Der steigende Meeresspiegel bedroht die Bevölkerung akut. Bereits mussten ganze Dörfer zurück gesetzt werden. Für die von der Fischerei abhängige Bevölkerung eine Katastrophe. Viele Menschen müssen sich auf Viehhandel, Landwirtschaft oder die Fischzucht in Süsswasserteichen spezialisieren. Diese Anpassungen sind mit hohen Kosten verbunden.
An der Klimakonferenz wird auch über die Finanzierung dieser Kosten verhandelt. Woher das Geld kommt, ist für die direkt Betroffenen zwar nicht von grosser Bedeutung, aber dass es bei ihnen überhaupt ankommt und vor Ort sinnvoll eingesetzt wird, ist hingegen eine grosse Herausforderung. Um das Finanzierungsanliegen der Entwicklungsländer zu vertreten, sind viele Nichtregierungsorganisationen aus den Entwicklungsländern angereist. Darunter auch Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenopfer. Gestern habe ich Milo Tanchuling von der „Freedom from Dept Coalition“ (FDC) getroffen, einem Partner von Fastenopfer aus den Philippinen. Für ihn ist die Finanzierung von zentraler Bedeutung. Schon oft wurde die Weltbank mit der Finanzierung von Entwicklungsprojekten – inklusive der Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel – beauftragt. Häufig gelangten die gesprochenen Entwicklungsgelder dann aber nicht zur betroffenen Bevölkerung, sondern es wurde die Exportwirtschaft der Länder im Süden gestärkt. Dies aus purem Eigennutz der Industriestaaten. Gerne sieht man die Entwicklungsländer als Rohstofflieferanten und nützt sie dann gleich als neue Absatzmärkte. Das führt soweit, dass der grosser Reisexporteur Philippinen selber Reis importieren muss, um die Mägen der eigenen Bevölkerung zu füllen. Für Milo ist klar: Wird in den Verhandlungen nicht über eine andere Finanzierungsart – zum Beispiel über die UNO direkt – entschieden, verändert sich in den betroffenen Ländern wenig. Aus diesem Grund ist er zusammen mit weiteren Vertretern von FDC hergekommen und arbeitet wie wir daran, die Delegationen von der Wichtigkeit unserer Anliegen für die arme Bevölkerung der Länder im Süden zu überzeugen.
->Hier gehts zu den Forderungen der Klimapetiton von Brot für alle und Fastenopfer<-
Montag, 14. Dezember 2009
Afrika protestiert
Die Delegationen aus Afrika und den kleinen Inselstaaten und die Gruppe der ärmsten Entwicklungsländer sind verärgert. Sie drohen offen, die Verhandlungen zu boykottieren. Ohne weitgehende Verpflichtungen seitens der Industrieländer im Kyoto-Protokoll und ohne hohe zusätzliche Finanzmittel machen wir nicht mehr mit, lautet der Tenor „Wir werden kein Selbstmord-Abkommen unterschreiben“, entrüstet sich ein afrikanischer Delegierter. Für Afrika und für die kleinen Inselstaaten geht es ums Überleben. Die Verhandlungen sind im Moment blockiert, sie drohen gar zu scheitern.Im Konferenzzentrum kommt es deshalb am Mittag zu einer spontanen und grossen Demonstration vieler NGO-VertreterInnen: ‚Wir stehen mit Afrika’, ‚Wir stehen mit den Inselstaaten’ lauten die Slogans.
Nnimmo Bassey von Friends of the Earth bringt es auf den Punkt: "Wir unterstützen die Staaten Afrikas in ihrer Forderung für klare Kyoto-Ziele und verbindliche Emissions-Restriktionen für reiche Länder. Wir denunzieren die schmutzigen Verhandlungstaktiken der reichen Länder, die versuchen die Regeln zu ändern und die Verhandlungen aus Eigeninteresse zum Absturz zu bringen. Die entwickelten Länder blockieren diese Verhandlungen, während Afrika versucht, sie vorwärts zu bringen.“
Zutritt zum Bella Center stark eingeschränkt
Alle Verhandlungsteilnehmerinnen und Verhandlungsteilnehmer mussten sich im Voraus für die Konferenz registrieren und bei der ersten Ankunft einen Ausweis abholen. Dies kann aber je nach Andrang gut und gern bis zu einer oder mehreren Stunden dauern. Ich persönlich hatte Glück und war innerhalb einer halben Stunde im Besitz meines Ausweises für die kommende Woche. Seit Samstag erhärteten sich aber die Gerüchte, dass in der zweiten Verhandlungswoche nur noch 75% der Nichtregierungsorganisationen (NGO) reingelassen werden. Seit heute haben wir nun Klarheit: Morgen Dienstag und am Mittwoch werden nur noch 7000 Vertreterinnen und Vertreter von NGO reingelassen. Ab Donnerstag sind es dann noch 1000, die zugelassen werden und während der Anwesenheit von US-Präsident Barack Obama sollen nur noch 90 Leute zugelassen werden. Bereits seit heute können wir uns zwar da aufhalten, die Verhandlungen finden aber fast alle hinter verschlossenen Türen statt. Das Netzwerk „Climate Action Now“, über welches die Nichtregierungsorganisationen sich koordinieren, versucht diese Zulassungsbeschränkungen bei den Organisatoren anzufechten.
Wie viele Blog Einträge also noch direkt aus dem Bella Centre kommen werden, ist deshalb so unklar wie der Ausgang der Verhandlungen. Alle afrikanischen Länder haben heute Vormittag geschlossen die Verhandlungen verlassen. Mit diesem starken Zeichen versuchen sie der restlichen Welt klar zu machen, dass Ihnen die bisherigen Verhandlungsresultate zu wenig weit gehen.
Sonntag, 13. Dezember 2009
Gott schaut auf die Erde und lacht
"Gott schaut auf die Erde und weint, wenn er die Opfer der Klimaerwärmung sieht oder wenn er nach Gaza schaut oder betrachtet, was in Zimbabwe, in Afghanistan geschieht. Aber wenn er hier auf den Rathausplatz schaut, dann lacht er," ruft Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika ins Mikrofon. Auf dem Rathausplatz von Kopenhagen übergibt Desmond Tutu dem Chef der UNO-Klimakonvention, Ivo de Boer, die 512'894 Unterschriften der „Countdown to Copenhagen“ Klimapetition für ein faires und griffiges Klimaabkommen. Brot für alle und Fastenopfer haben mit über 10'000 Unterschriften die Klimapetition von Aprodev und Cidse unterstützt. Tausende von Menschen dem Rathausplatz klatschen und tanzen, darunter auch die 1300 Jugendlichen aus Norwegen, die in einer Aktion der „Norwegian Church Aid“ über Nacht auf einer Extra-Fähre von Oslo angereist sind. Und beim nachfolgenden Konzert der dänischen Band „Outlandish“ tanzt der 78jährige Erzbischof auf der Bühne gleich mit. Die Musiker können es kaum glauben.
Später nimmt Desmond Tutu am ökumenischen Gottesdienst in der Kathedrale von Kopenhagen teil. Unzählige katholische und protestantische Priester, Bischöfe und PfarrerInnen von verschiedensten Denominationen und aus der ganzen Welt sitzen in ihren typischen Gewändern im Chor der Kathedrale. Sogar russisch orthodoxe Würdenträger sind anwesend. Ihnen gegenüber sitzen im gleissenden Fernsehlicht die dänische Königsfamilie und viele Vertreter von Regierungsdelegationen. In der Eingangsprozession werden Symbole der Klimaerwärmung hereingetragen: verblichene Korallen aus dem Pazifik, durch die Dürre verdorrte Maiskolben aus Ostafrika und durch das Geltscherschmelzen zu Tage getretene Steine aus Grönland. Chöre aus Tuvalu, Grönland, Sambia und Dänemark singen. Der Erzbischof von Canterbury hält eine eindrückliche Predigt mit deutlichen Worten. Er ruft Individuen, Politiker und Regierungsvertreter auf, keine Angst vor drastischen Massnahmen und klaren Schritten im Kampf gegen den Klimawandel zu haben. Trotz dem bedrückenden Anlass zum Gottesdienst verlassen die BesucherInnen aus aller Welt in einer Kerzenprozession die Kathedrale fröhlich und ermutigt.
Video von Desmond Tutu auf dem Rathausplatz von Kopenhagen
Desmond Tutu übergibt die Unterschriften
People First – Planet First! Marsch zum Bella Centre

„One – Two – Three – Four / Climate Justice For The Poor“ – Lautstark machten wir unser Anliegen in den Strassen Kopenhagens bekannt.
Aber nun der Reihe nach:
Zusammen mit den vielen Vertretern der Mitgliedorganisationen der Cidse und den Leuten von Caritas Internationalis haben wir uns am Mittag vor der Sankt Ansgar Kirche in Kopenhagen getroffen. Zu den Anwesenden gehörten auch einige Bischöfe aus dem Süden, unter anderem der Erzbischof von Uganda. Die Verantwortlichen der Cidse versuchten den ganzen Morgen unseren überdimensionalen „Create A Climate For Justice“-Ballon mit Helium zu füllen, was aber misslang. Damit unsere Gruppe sicher beim „Parlament Square“, dem Start der Demonstration ankam, wurden wir von einer Polizei Eskorte begleitet. Eine Menschenmasse dieser Grösse habe ich vorher noch nie gesehen und schnell waren unsere Schilder ein Teil eines ganzen Waldes voller Aufrufe und Hoffnungen. Nach mehreren Reden, die mehrheitlich im Geräuschepegel der 100 000 anwesenden Menschen untergingen, bewegte sich die Menschenmasse in Richtung Bella Centre, dem Ort der Verhandlungen. Für alle nicht Ortskundigen, dass Bella Centre liegt etwas ausserhalb und so wanderten wir rund 3 Stunden durch die Strassen Kopenhagens. Eine farbenfrohe Menschenmasse mit der klaren Aufforderung an die Verhandlung – „Action Now“!
Müde, aber zufrieden mit dem Ablauf der Demo und voller Enthusiasmus über die vielen gleichgesinnten Menschen, waren wir so gegen 18.00 Uhr zurück bei der Sankt Ansgar Kirche, wo wir die Schilder deponierten. Übrigen, das Aufblasen des Ballons gelang dann doch noch und so führte dieser uns auf dem letzten Stück der Demo an.
Samstag, 12. Dezember 2009
Eine Frage des Überlebens
Auch für Botschafter Lumumba Di Aping, dem Vorsitzenden der Entwicklungsländer, die in der Gruppe77 zusammengeschlossen sind, geht’s bei den Klimaverhandlungen um "eine Frage um Leben oder Tod". Wenn die globale Erwärmung maximal 2°C betragen dürfe - ein Ziel das die Politik anzustreben versucht – werde die die Erwärmung in Afrika 3.5°C betragen. Das sei kein ‚deal’ erklärte er gestern den Nichtregierungsorganisationen: „ Das bedeutet für Afrika mit Sicherheit Hunger und Tod und für die kleinen Inselstaaten die sichere Zerstörung durch den Anstieg des Meersspiegels. Ein Abkommen, das nicht Sicherheit für die Menschheit und die Natur bringt, ist kein gutes Abkommen.“
Der Vorsitzende der Entwicklungsländergruppe forderte deshalb, die globale Erwärmung auf maximal 1.5°C zu beschränken. „Die Industrieländer müssen deshalb bis ins Jahr 2017 ihre Emissionen um 52% reduzieren und bis 2020 um 65%.“
Botschafter Lumumba beklagte sich zudem über ein paar grosse Umwelt-NGOs: „Der Versuch, die Gruppe der Entwicklungsländer zu spalten, ist etwas, das man schlicht der CIA oder dem KGB überlassen soll. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal im Leben einige NGOs wegen so etwas anklagen muss.“ Er spielte damit auf die Haltung einiger Regierungen und NGOs an, die fordern, dass sich jetzt sofort auch die Schwellenländer in einem neuem Abkommen verpflichten müssten. Wer jetzt China in ein neues Abkommen drücke, wolle sich eigentlich aus den eigenen Reduktions-Verpflichtungen im Kyoto-Prtokoll schleichen. Ein neues Protokoll anstelle des gültigen Kyoto-Protokolls gefährde das bisher schon Erreichte. „China ist kein Hindernis für ein gutes Abkommen. In China leben mehr Arme als in ganz Afrika. Der einzige Weg, China zu helfen geht über den Transfer von sauberen Technologien, damit China seine Treibhausgase vermindern zu kann.“
Freitag, 11. Dezember 2009
'Brot für alle' am arbeiten
Die britische Zeitung ‚The Guardian’ veröffentlicht on line Bilder zur Konferenz. So fand Brot für alle-Mitarbeiterin Evelyn Kamber (links) während dem schreiben eines Blog Textes Eingang in die Webseite von 'The Guardian'
Für Gerechtigkeit im Klimawandel

Auf der ganzen Welt finden morgen Samstag Demonstrationen für ein faires und verbindliches Klimaschutzabkommen statt. In Kopenhagen demonstrieren tausende unter dem Motto "People First - Planet First". Zusätzlich finden weltweit gleichzeitig an über 3000 Orten Kerzenwachen statt. Auch in allen grösseren Städten der Schweiz.
Wir wollen eine lebenswerte Welt, für alle. Deswegen setzen wir am Samstag ein Zeichen.
Mehr dazu unter:
The World Wants a Real Deal
Kerzenmahnwachen in Deiner Nähe
Ohne neue Gelder scheitert der Kampf gegen den Klimawandel
Alle Länder sind sich einig, dass die Entwicklungsländer bei ihrer Anpassung an die Klimaerwärmung unterstützt werden müssen. Hier in Kopenhagen geben einzelne Länder wie z.B. Schweden neue, höhere Beträge an, die sie bereit sind zur Verfügung zu stellen. Nur sind das meistens nicht neue zusätzliche Mittel, sondern schon beschlossene Gelder aus Entwicklungshilfebudgets. Damit wird eine zentrale Forderung von Entwicklungsorganisationen nicht erfüllt: nämlich dass im Kampf gegen den Klimawandel zusätzliche Gelder gesprochen werden müssen. Ein Problem ist auch, dass es sich nur um kurzfristige Zusagen handelt. Der Kampf gegen die Klimaerwärmung muss aber langfristig geführt werden und ohne diese Sicherheit, wollen sich Entwicklungsländer auf keine eigenen Massnahmen einlassen. 'No money - do deal' lautet deren Kurzformel.
Wenn die Finanzhilfe zur Anpassung an den Klimawandel mit Geldern aus der Entwicklungszusammenarbeit bestritten wird, ändert sich die Summe der Hilfe für die Entwicklungsländer nicht. Entwicklung und Anpassung beeinflussen sich gegenseitig: Eine arme Bevölkerung kann sich zum Beispiel keinen Hochwasserschutz oder Lagerhaltung für Dürreperioden leisten und umgekehrt verschlechtert die fehlende Anpassung an den Klimawandel ihre ohnehin prekäre Situation.
Brot für alle und Fastenopfer beschäftigen sich nicht nur an der Konferenz in Kopenhagen mit dem Thema der Anpassung (adaptation). Auch in unserer Projektarbeit in den Ländern des Südens machen wir uns stark dafür, dass der Klimawandel berücksichtigt wird. In Workshops mit unseren Partnerorganisationen untersuchen wir, inwiefern bestehende oder neue Entwicklungsprojekte die lokale Bevölkerung in der Anpassung an den Klimaerwärmung unterstützen können. In Honduras, Niger, Äthiopien und Haiti hat Brot für alle zum Beispiel mit grossem Erfolg Workshops abgehalten, weitere werden folgen.
Mehr Informationen zu den Klimaworkshops von Brot für alle
"Rauch den man nicht sieht":
Ein Klimaworkshop mit Bauern und Hilfswerkvertretern in Niger
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Das Fossil des Tages – auch die Schweiz ist Preisträger
Schon am Morgen beim Frühstück fängt das Leben der Lobbyisten an: erster Informationsaustausch, was am vorigen Abend noch alles geschehen ist. Heute ist es besonders spannend. Das Aussetzen der Verhandlungen gestern hat zu zahlreiche Koordinationssitzungen der verschiedenen NGO-Gruppen geführt. Meist spät abends, um die letzten News und Entwicklungen noch mitzukriegen und in die Strategien für den nächsten Tag einzufügen. Beim Frühstück werden die letzten Entwicklungen von unserer Gruppe diskutiert und das Vorgehen während des Tages festgelegt.
Im Kongresszentrum fängt dann die Jagd nach den entsprechenden Informationen an. Wann finden welche Sitzungen und Verhandlungen statt? Werden Beobachter zugelassen oder wird hinter verschlossener Tür verhandelt? Und von wem bekommt man die relevanten Informationen nach einer geschlossenen Sitzung? Dann geht es weiter zu Treffen mit ausgewählten Delegationen, um vielleicht doch noch ein Argument in die Verhandlungen einzubringen.
Das alles kann nur dank den Netzwerken, denen Brot für alle und Fastenopfer angehören, geleistet werden.
Eines der Netzwerke ist das Climate Action Network (CAN). Jeden Abend verleiht CAN einen Spezialpreis: das Fossil des Tages. Preisträger kann werden, wer ungenügende Vorschläge in den Verhandlungen macht. Auch die Schweiz hat es in der kurzen Zeit hier in Kopenhagen schon auf den ersten Platz geschafft. Zusammen mit den anderen Industriestaaten wurde sie am Montag auf Platz eins gesetzt. Grund: die ungenügenden Reduktionsvorschläge für Treibhausgasemissionen. Die vorgeschlagenen 20% Emissionsreduktionen der Schweiz, welche erst noch zur Hälfte im Ausland geschehen können, stehen im krassen Gegensatz zu den vom Weltklimarat geforderten 30 – 40% und den von Brot für alle und Fastenopfer geforderten fairen Anteil von 40% Inlandreduktion.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Wer trägt die Last der Klimaveränderungen?
Schon vor dem Eingang zum Kongresszentrum bedient Greenpeace die verschiedenen Delegationen mit Bio-Kaffee, damit die Teilnehmer wach sind für faire und ambitionierte Verhandlungen. Die Kampagnenarbeit und verschiedenen Aktionen rund um und im Kongresszentrum sind in vollem Gange. Auch die europäischen Partnerwerke von Brot für alle und Fastenopfer sind aktiv: gestern haben die Südpartner des Netzwerkes einen Umzug durch das Kongresszentrum organisiert. „Der Süden trägt die Last des Klimawandels.“ Die Erde wurde auf den Schultern der Teilnehmer getragen und ein überdimensionaler Scheck symbolisierte die Schulden des Nordens gegenüber dem Süden.
Später protestierten afrikanische Südpartner des Netzwerkes: „in Afrika sterben schon heute Leute an den Auswirkungen des Klimawandels. Und der Norden schaut zu. Diese Verhandlungen müssen Resultate bringen, der Norden muss seine Verantwortung wahr nehmen!“
Auch die Kirchen haben eine Verantwortung, im Norden wie im Süden. Im Norden müssen Kirchen ihren Energie-Haushalt überdenken. Der Leitfaden, welcher Fastenopfer und Brot für alle zusammen mit Oeku – Kirche und Umwelt erstellt hat, gibt erste Hinweise auf mögliche Verbesserungen. Im Süden können die Kirchen via Klimafonds unsere Partnerwerke mit gezielter Ausbildung auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten.
Nächsten Sonntag werden die Kirchen noch einmal öffentlich aktiv: Erzbischof Desmond Tutu wird die internationale Petition für mehr Gerechtigkeit im Klimwandel an den Sekretär des UN Klimasekretariats, Yvo de Boer, überreichen. Gegen 300'000 Unterschriften sind zusammengekommen, darunter auch die Stimmen aus der Schweizer Petition, welche Brot für alle und Fastenopfer im September dem Bundesrat eingereicht haben. Anschliessend findet im Kopenhagener Dom ein ökumenischer Gottesdienst statt.
Schliesslich werden einer Welle um den Globus gleich, um 15 Uhr Ortszeit die Kirchenglocken läuten. Ein Weckruf der Kirchen in aller Welt an die verhandelnden Staaten, ein gerechtes, faires und griffiges Klimaabkommen zu verhandeln und zu verabschieden.
In der Schweiz haben sich über 500 Kirchgemeinden und Pfarreien entschlossen, am Weckruf mitzumachen und Solidarität mit dem Süden zu zeigen.
Mehr Informationen unter:
www.oeku.ch
www.countdowntocopenhagen.org
Protest der Afrikanischen Zivilgesellschaft
Dienstag, 8. Dezember 2009
Klima im Frühstücksraum
Das Thema Klima und Klimawandel ist omnipräsent. Im Hotel, wo ich bis jetzt gewohnt habe, sind die meisten offiziellen Delegationen der G77 und China, also der Gruppe der Entwicklungsländer, untergebracht. Schon beim Frühstück geht es heiss zu und her: hier hört man die letzten Analysen, die neusten Informationen werden per Telefon durchgegeben, Strategien beredet und neuste Entwicklungen diskutiert.
„Der Norden muss endlich seine in Bali gemachten Zusagen erfüllen.“ – „Ohne fixe Zusagen, wie die Anpassung an den Klimawandel finanziert werden soll, unterschreiben wir kein Abkommen.“ – „die Reduktionsvorschläge der Industrieländer sind zu niedrig, damit lässt sich die Erwärmung nicht stoppen.“ So ähnlich tönt es zwischen Müesli und Brot in verschiedenen Sprachen.
Während der Verhandlungen sind immer wieder Gerüchte zu hören. So wollen anscheinend einige Industrieländer, allen voran die USA, die Finanzierungen auf die kurzfristige Finanzierung von Massnahmen begrenzen und keine Zusagen über ein längerfristiges Engagement machen. Die Südpartner der verschiedenen NGO-Organisationen machen ihre Delegationen sofort auf dieses Dilemma aufmerksam. So kommen die Lobby-Aktivitäten schnell zum Laufen.
Doch die heiklen Punkte in den Verhandlungen bleiben die Reduktionsziele für die Industrieländer, sowie die Finanzierung zur Bewältigung des Klimawandels im Süden.
Brot für alle und Fastenopfer haben diesen Sommer in einer Studie errechnen lassen, wie hoch der Beitrag der Schweiz ausfällt, damit das Recht auf Entwicklung trotz Klimaerwärmung für die Entwicklungsländer möglich bleibt: Die Schweiz müsste bis ins Jahr 2020 ihren CO2-Ausstoss (im In- und Ausland) um 130% reduzieren helfen, wenn sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Fähigkeit und historischen Verantwortung ihren fairen Beitrag leisten würde.
Mehr Informationen dazu unter: http://www.rechtaufnahrung.ch/
Montag, 7. Dezember 2009
Start der Verhandlungen
Nebst den offiziellen Delegationen der Staaten haben sich über 20'000 Beobachter angemeldet. Sie verfolgen die Konferenz hautnah. Um als Beobachter teilnehmen zu können, müssen die Organisationen von der UNO akkreditiert sein. Dies ist ziemlich aufwändig. Deshalb sind wir von Brot für alle und Fastenopfer Teil der Delegation unserer europäischen Partnerorganisationen.
Für die Eröffnung stehen die Leute schon um 8 Uhr Schlange vor den Eingängen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind wie auf einem Flughafen: Taschen werden mit Scanner durchleuchtet und alle müssen durch einen Torbogen durchgehen. Selbst der Reisverschluss der Winterschuhe gibt an, so sensitiv sind die Metalldetektoren eingestellt.
Nach den offiziellen Begrüssungsreden, verabschieden die Konferenzteilnehmer heute das Programm und den Ablauf der Konferenz. Danach verhandeln verschiedene kleinere Gruppen die technischen Details. Je nach Thema und Aktualität, werden Beobachter zugelassen. Oftmals finden die Verhandlungen aber auch hinter verschlossenen Türen statt.
Für uns Interessensvertreter ist es wichtig, bei den öffentlichen Verhandlungen dabei zu sein und die Entwicklungen aus nächster Nähe mitzuverfolgen. Nehmen die Verhandlungen Wendungen, welche ein faires und gerechtes Abkommen gefährden, versuchen die beiden Netzwerke Aprodev und Cidse Delegationsmitglieder aus den betreffenden Ländern zu treffen und ihnen unsere Standpunkte nochmals aufzuzeigen. Partner aus dem Süden spielen dabei eine grosse Rolle: sie kennen die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Land und die Leute am besten und sind oft das stärkste Überzeugungsargument. Da viele verschieden Gruppen versuchen, die Delegationen zu beeinflussen, ist eine gute Information das ein und alles bei Verhandlungen.
Hier in Kopenhagen werden während der ersten Woche noch offene Inhalte geklärt. In der zweiten Woche, wenn die meisten Minister und später in der Woche auch Staatspräsidenten anwesend sind, wird vor allem diskutiert werden, was genau das Ergebnis dieser Verhandlungen sein soll. Reicht der in der ersten Woche diskutierte Inhalt für ein rechtlich bindendes Abkommen? Oder wird ein politisches Abkommen unterzeichnet, welches die nächsten Schritte hin zu einem rechtlich bindenden Abkommen festlegt?
Die Bereitschaft von China und Indien, ihre CO2-Bilanz in der Wirtschaft zu verbessern und die Tatsache, dass Barack Obama seine Teilnahme nun auf das Ende der Verhandlungen verschoben hat, lässt Hoffnung aufkommen. Doch welches Ergebnis schlussendlich vorliegt, werden wir am 19. Dezember sehen.
Sonntag, 6. Dezember 2009
Kopenhagen im Klimataumel
Doch die Meldungen in den letzten Wochen waren alles andere als vielversprechend. Die Industrieländer, welche für den Klimawandel verantwortlich sind, zieren sich, die nötigen Reduktionen der Treibhausgase wirklich anzugehen und die benötigten finanziellen Mitteln bereitzustellen. Im Gegenteil: sie verlangen, dass sich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien ebenfalls zu Reduktionen verpflichten. Diese indes wollen sich nicht einbinden lassen. Und ihre Argumente sind nachvollziehbar: verglichen mit den Industriestaaten haben sie pro Kopf immer noch einen verschwindend kleinen Ausstoss. Und im Moment brauchen die Länder die Marge, damit ihre Entwicklung und die Bekämpfung von Armut vorangetrieben werden kann. Deshalb fordern sie zusammen mit den armen Entwicklungsländern, dass der Norden mehr reduziert und Geldmittel zur Verfügung stellt, um den Ländern im Süden zu helfen, sich an den Klimawandel anzupassen und ihre Entwicklung auf sauberere Technologien umstellen zu können.
Wenn dem Recht auf Entwicklung nicht genügend Beachtung geschenkt wird, kommt wohl kein griffiges Abkommen zu Stande. Deshalb engagieren sich Brot für alle und Fastenopfer für die Gerechtigkeit im Klimawandel und sind in ihren europäischen Netzwerken Aprodev und Cidse aktiv. In Kopenhagen wollen wir Einfluss nehmen, dass ein faires, ausgeglichenes und gerechtes Abkommen ausgehandelt wird. Fair und gerecht heisst, dass das Recht auf Entwicklung und die Bekämpfung der Armut bei den Massnahmen gegen die Klimaerwärmung berücksichtigt sind.
Freitag, 4. Dezember 2009
Liebe Leserin, lieber Leser
In Kopenhagen machen wir uns für einen fairen Klimavertrag stark. Wir fordern, dass:
- der Klimawandel auf unter 2° beschränkt wird, um noch schlimmere Folgen zu vermeiden
- die Industrieländer als Verursacher der Klimakrise mit gutem Beispiel vorangehen, und ihre Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren - die Schweiz z.B. um 40% im Inland bis 2020
- die Industrieländer Anpassungsmassnahmen an die Auswirkungen des bereits stattfindenden und zukünftigen Klimawandels in Entwicklungsländern finanzieren
- der Klimaschutz das Recht auf Entwicklung der Menschen im Süden nicht beeinträchtigt



