Mittwoch, 16. Dezember 2009

Der letzte Blog direkt aus den Verhandlungen

Bereits ist es Mittwoch und die Zweifel an einem zufriedenstellenden Abkommen werden immer grösser. Mittwoch bedeutet aber auch, dass die Nichtregierungsorganisationen ab morgen fast keinen Zugang zum Bella Centre mehr erhalten. Zum Glück haben wir im Netzwerk drei Leute mit einem Presseausweis. Diese werden uns in den beiden letzten Tagen der Konferenz auf dem Laufenden halten. Alle Anstrengungen die Zahl der zugelassenen Nichtregierungsorganisationen zu erhöhen, scheiterten.

In meinen letzten Stunden im Bella Centre habe ich die Chance gepackt und versucht, an möglichst viele Orte und Verhandlungen zu gelangen. So kam ich zum Beispiel zu einer Diskussion mit mehreren führenden Firmen in der Ethanol-und Biotreibstoff-Industrie. Diskutiert wurde nicht wirklich, es ging eher darum die Anwesenden zu überzeugen, dass Biotreibstoffe die Lösung für den Klimaerwärmung sind. Ist es das wirklich? Bereits seit langem ist die Problematik des Biotreibstoffs erkannt und Fastenopfer und Brot für alle haben stets darüber informiert. In Brasilien werden Wälder abgeholzt um Getreide und Raps für den Biotreibstoff anzupflanzen. Oft wird brandgerodet und nach 2-3 Jahren ist der Boden infolge der Monokultur unfruchtbar. Dies ist den gewinnorientierten Firmen mehrheitlich wurst und sie ziehen einfach weiter. In vielen Teilen Afrikas sind grosse Flächen eh schon bereits unfruchtbar. Sollte nun auch noch Getreide für Biotreibstoff angepflanzt werden, würde sich die Ernährungssituation der Bevölkerung noch mehr verschlechtern. Es käme zu weiteren Landenteignungen und zu bewaffneten Kämpfen um den fruchtbaren Boden. Nein, Biotreibstoff ist keine Lösung sondern eine von vielen Möglichkeit der Industriestaaten, Geld mit den Ressourcen der Entwicklungsländer zu machen.

Ein kleiner Hinweis: Morgen erreicht der Klimazug aus der Bern mit Bundesrat Moritz Leuenberger an Bord um 8:22 Uhr Kopenhagen. Mit im Zug reisen neben der grossen Schweizer Klimafahne auch Vertreterinnen und Vertreter der Klima-Allianz. Die Fahne mit über 10 000 Botschaften reiste im Sommer durch die Schweiz. Die vorläufig letzte Reise der Fahne geht dann vom Hauptbahnhof in Kopenhagen zum Bella Centre, wo eine Pressekonferenz abgehalten wird.